"Hoffnungsworte"

Ermutigung mitten in der Corona-Krise

Seit dem 17. Mai dürfen wir wieder Gottesdienste feiern in der Christuskirche. Zwischen den Gottesdiensten finden sie hier jeden Mittwoch Texte und Gebete, mit denen wir Sie ermutigen wollen in dieser schweren Zeit.

Wenn Sie der Meinung sind, dass diese Gedanken auch anderen Menschen gut tun könnten, dann machen sie doch auf unsere Homepage aufmerksam. Oder sie drucken die Gedanken aus und geben sie weiter an Menschen, die nicht so sehr vertraut sind mit dem Internet.

Die „Hoffnungsworte“ für diesen Mittwoch stammen von Margaret Fishback Powers. 1964 hat sie das Gedicht „Spuren im Sand“ geschrieben. Millionen von Menschen hat das Gedicht seitdem die Hoffnung geschenkt,  von Gott getragen zu sein – gerade auch in schweren Zeiten.

Mit dem Gedicht von Margaret Fishback Powers endet die Reihe der „Hoffnungsworte“. Drei Monate lang wollten die „Hoffnungsworte“ Mut machen in schweren Corona-Zeiten. Da nun wieder Gottesdienste möglich sind, laden wir herzlich ein in unsere Christuskirche, um in den verschiedenen Gottesdiensten die Sorgen vor Gott zu bringen und gleichzeitig durch Gottes frohe Botschaft neue Hoffnung mitzunehmen in den Alltag.

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn: „Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?“

Da antwortete er: „Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“

Margaret Fishback Powers


 

Frühere "Hoffnungsworte":
Die „Hoffnungsworte“ für diesen Mittwoch stammen von dem evangelischen Pfarrer, Künstler und Schriftsteller Fabian Vogt.

SOS

Dididi Da-Da-Da Dididi. Dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz. S-O-S im Morsealphabet. Drei kleine Buchstaben, die in den letzten hundert 100 Jahren eine Menge Leben gerettet haben. Wer dieses Signal irgendwo hört, der weiß nämlich, was gemeint ist: „Hilfe, rettet uns! Wir sind in Not.“

Am 1. Juli 1908 wurde SOS als Kürzel offiziell eingeführt. Und gilt seither als Synonym für jede Art von Hilferuf. Nebenbei: Die Buchstabenfolge wurde nur gewählt, weil sie leicht erkennbar ist. Dass SOS für: „save our souls“ steht, also für: „Rettet unsere Seelen“, hat man später dazugedichtet.

Trotzdem interessant: „Save our souls.“ Rettet unsere Seelen. Keine schlechte Übersetzung. Ich behaupte allerdings: Die Menschen rufen gar nicht dann SOS, wenn ihre Seele in Gefahr ist, sondern immer erst dann, wenn ihr Körper in Gefahr ist. Merkwürdig, oder?

Kaum jemand schreit SOS, wenn er Liebeskummer hat, arbeitslos wird, tieftraurig ist, die Hoffnung verliert, den Burn-out kommen fühlt, alles sinnlos findet oder an sich selbst zweifelt. Dabei sind das die Momente, in denen unsere Seele ernsthaft Schaden nehmen kann.

SOS rufen Menschen, deren Leben bedroht ist. Wie gesagt: der Körper. Eigentlich brauchen wir mindestens genauso dringend einen echten Seelennotruf. Die Kirche kennt übrigens einen: „Herr, erbarme dich.“ Und: Der hat auch schon vielen geholfen.


 

Das „Hoffnungswort“ ist dieses Mal eine Predigt  von Pfarrer Roland Kupski. Er ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck. Predigttext ist ein Abschnitt aus der Bibel, der für diesen Sonntag ‚Kantate‘ vorgesehen ist: Worte aus dem 2. Buch der Chronik, Kapitel 5, die Verse 2-5 und 12-14.

Predigt
Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des Herrn hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten. Und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des Herrn, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.
2. Chronik 5,2-5.12-14

Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder im Herrn!

Im Jahre 586 ereignete sich eine Katastrophe: Die Stadt Jerusalem wurde von den Truppen des babylonischen Königs Nebukadnezar erobert und zerstört. Ein großer Teil der Einwohner, vor allem die Oberschicht, wurden gefangengenommen, sofern sich nicht fliehen konnten oder erschlagen wurden. Am schlimmsten aber war: Der Tempel Gottes auf dem Berge Zion wurde vollkommen zerstört und ausgeplündert. Das geistliche Herz des Volkes Israel hatte aufgehört zu schlagen. Kein Gottesdienst mehr an geweihter, heiliger Stätte. Die Wunde, die hier geschlagen wurde, blutete lange, im Judentum bis heute. Die Gefangenen wurden deportiert, hunderte Kilometer durch die Wüste bis in die Stadt Babylon. Dort lebten sie im Exil, fern der Heimat, fern vom Tempel. Der Schock saß ungeheuer tief. Der Psalm 137 ist eine starke Erinnerung an diese Zeit, er drückt die ganze Trauer und den Schmerz aus: „An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten. Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande. Denn die uns gefangen hielten, hießen uns dort singen und in unserm Heulen fröhlich sein: »Singet uns ein Lied von Zion!« Wie könnten wir des HERRN Lied singen in fremdem Lande?“ 

Das Singen war ihnen vergangen. Jedenfalls die Art des Singens, die bisher im Tempel stattfand, begleitet von der Harfe, dem Instrument des Königs David, der seinem Volk, so lautete jedenfalls die Legende, so viele schöne Lieder geschenkt hat. Das Volk verstummte. Was tun ohne Tempel?

Doch sie fanden eine Lösung. An die Stelle der alten Rituale trat etwas Neues. Die Priester und Ältesten, die Gelehrten und die Kundigen fingen an, die alten Geschichten zu sammeln und sich zu erzählen. Das, was wir heute das Alte Testament nennen, die hebräische Bibel, nahm dort ihren Anfang. Eine neue Art des Gottesdienstes entstand. Ein Gottesdienst, der keinen Tempel braucht und keinen Priester, ein Gottesdienst, den man in den Häusern und in einfachen Versammlungsorten feiern kann, ohne Opfer, ohne Weihrauch, ohne Aufwand. Ein Gottesdienst, der die Herzen berührte und die Erinnerung wachhielt, der die Menschen zusammenhielt in einer gemeinsamen Hoffnung: die Hoffnung auf Rückkehr. Und sie fingen doch wieder an zu singen, aber anders als vorher: Viele unserer Psalmen, die wir mit dem Volk Israel bis heute teilen, stammen aus dieser Zeit. Das Gotteslob, das Nachdenken über den Lauf der Geschichte, die Bitte um Vergebung und Versöhnung, der Zuspruch von Gnade und Zuversicht: Das alles kam nicht zum Erliegen, es suchte sich nur neue Formen, einen neuen Ausdruck. Der Tempel war zerstört, der alte Gottesdienst erledigt, aber der Glaube nicht. Er ging, in mancher Hinsicht, sogar gestärkt und erneuert aus dieser ungeheuren Krise hervor. 

70 Jahre war das Volk – oder zumindest diese Gruppe des Volkes – in der Gefangenschaft im fernen Babylon: zweieinhalb Generationen. Und dann geschah das Wunder, mit dem keiner mehr wirklich gerechnet hatte: Der Perserkönig Kyros eroberte die Stadt Babylon und entließ die Juden, wie sie sich jetzt nannten, in ihre Heimat. Nicht alle kehrten zurück. Aber die, die zurückkehrten, hatten nur einen Wunsch: Den Tempel wieder aufbauen, wieder Gottesdienst feiern, wie man ihn gewöhnt war – auch wenn der nur noch eine Erinnerung war, Augenzeugen dürften keine mehr gelebt haben. Das war im Jahre 538.

Doch es dauerte noch. Es gab auch Streit darüber: Brauchen wir den Tempel wirklich? Haben wir nicht andere neue Formen gefunden, Gottesdienst zu feiern? Sollen die Tempeltrümmer nicht so bleiben, als Mahnung und Erinnerung? Am 1.4. 515 war es endlich so weit: Der Tempelneubau wurde feierlich eingeweiht. Und zur Erinnerung daran, erzählt das Buch der Chronik, das aus dieser Zeit stammt, davon, wie die Einweihung des ersten Tempels, den der König Salomo gebaut hatte, vonstattenging. Der neue Tempel knüpfte an den alten Tempel an, vor allem an einem Punkt: Es gab viel Musik. Es wurde wieder gesungen. Es wurde wieder Musik gemacht. Und es war dieser Moment der Musik, der zugleich der Moment war, an dem Gott wieder in den Tempel einzog. So wie es damals war, so sollte es auch jetzt sein: In der Musik verschmelzen alle zu einem Volk, zum Volk Gottes, und er wohnt in ihrer Mitte. Wir hören noch einmal den zentralen Vers:

Und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertundzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

Das Erstaunliche an dieser Geschichte ist: Obwohl der Gottesdienst, wie man ihn kannte, über Generationen nicht stattfinden konnte, obwohl das Zentrum, die Mitte des Volkes zerstört und vernichtet war, war doch der Glaube nicht untergegangen. Er hatte sich neue Formen gesucht, und die wurden auch beibehalten. Am Ende war nach der langen Zeit der Krise, die alle so erschüttert hatte, der Glaube reicher geworden, als er vorher war. Das Volk sang wieder, und es sang neue Lieder. Es gibt einen Psalm, der wie eine Antwort auf den Psalm 137 klingt, und das ist auch der Psalm, aus dem Wochenspruch für die Woche stammt, der diesem Sonntag seinen Namen gab: Kantate! Singet! Er lautet: Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm! (Psalm 98).

Es tut gut, das heute, an diesem Sonntag Kantate im Jahre 2020, zu hören. Manches an der Geschichte kommt uns doch bekannt vor. Auch wir haben jetzt lange Zeit auf den Gottesdienst, wie wir ihn kannten, verzichten müssen. In vielen Gemeinden werden heute vorsichtig und zaghaft vielleicht, aber auch fröhlich und erleichtert, wieder Gottesdienste gefeiert. Nicht in allen. Denn nicht überall lassen sich die Bestimmung der Hygiene und des Schutzes vor Ansteckung gut umsetzen. Manche Gemeinden zögern, weil sie fürchten, dass selbst diese Vorsichtsmaßnahmen nicht reichen, die Menschen zu schützen, die gefährdet sind. Manche Gemeinden zögern, weil sie sagen: Also dieser Gottesdienst ist nicht der, den wir wollen, lasst uns warten. Denn ein Element fehlt, dass doch für den Gottesdienst so wichtig ist, und von dem uns unser Bibeltext heute so eindrücklich erzählt: der Gesang. Das hat sich in den letzten Wochen und Monaten weltweit gezeigt: Ausgerechnet das gemeinsame Singen ist besonders gefährlich, weil es die Luft mit Viren füllt. Ganze Chöre haben sich angesteckt in der Anfangszeit der Pandemie, trotz Vorsichtsmaßnahmen. Das ist traurig. Auch dort, wo heute Gottesdienst gefeiert wird, trägt er noch deutlich die Zeichen der Zeit. Wir dürfen nicht singen. Das volle Gotteslob, die volle Gemeinschaft können wir noch nicht erleben. Wir dürfen uns immer noch nicht so nahe kommen, wie wir es gewöhnt sind und wie uns guttut. Ein bisschen sind wir immer noch im Exil. Die Stille in unseren Gottesdienstes erinnert und ermahnt uns: Es noch nicht alles gut. Es ist noch nicht vorbei. Und doch: Es ist ein Anfang, es ist ein Wiederanfang.

Und noch etwas ist geschehen, das an diese alte Geschichte erinnert und uns mit Hoffnung erfüllen kann in dieser immer noch bedrückenden Zeit: Der Glaube durfte zwar nicht mehr laut und öffentlich singen, aber er verstummte nicht. Wie im Volk Israel im Exil wuchsen neue Formen des Gottesdienstes: Im Fernsehen, im Internet, als Gottesdienste zum Mitnehmen an den Kirchentüren, als Telefongottesdienste, als Videobotschaften: Es gab nie ein Gottesdienstverbot, wie immer gesagt wird, es gab nur ein Verbot, ihn öffentlich in der Gemeinschaft zu feiern. In unseren Herzen aber haben wir weitergefeiert, ganz wie der Apostel Paulus schreibt: Wisst ihr nicht, dass Euer Leib der Tempel Gottes ist und Gott in Euren Herzen wohnt?

Egal, wie einzelne Gemeinden das jetzt in den nächsten Wochen und Monaten handhaben werden: Wenn wir nicht aufhören, in unseren Herzen Gott zu loben und zu singen, werden wir eines Tages auch wieder gemeinsam zusammen sitzen und singen, es wird ja hoffentlich keine siebzig Jahr dauern. Das wird dann ein Gotteslob sein, wie wir es lange nicht mehr gehört haben, ein Gotteslob derer, die eine lange Zeit des Exils und der Fremde überstanden haben. Bis dahin lasst uns Gott in der Stille loben und nicht verzagen: Gott ist mit uns, alle Tage, bis an der Welt Ende. Das ist das neue Lied, das wir singen gegen die alte Leier von Leid und Untergang. Das ist der wahre Gottesdienst im Alltag der Welt und im Tempel unseres Leibes. Amen.

Fürbitten
Herr unser Gott,
so lange schon können wir nicht gemeinsam feiern, wie wir es gewohnt sind. Wenn wir jetzt zaghaft erste Schritte gehen, so begleite uns mit deinem Wort, schenke uns Geduld und Besonnenheit, lass uns bedacht sein auf den Schutz der Gefährdeten und Bedrohten, und lass uns die achten, die vorsichtig sind und zögern.

Lass uns in der Stille in unserm Herzen neue Lieder singen gegen die alte Leier der Welt, die nur Untergang und Kummer kennt.

Lass uns auch singen für die, die in Not geraten sind, des Leibes und der Seele, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen oder vor unüberwindlichen Schwierigkeiten.

Lass uns auch die nicht vergessen, die nicht nur unter der Seuche leiden, sondern weiterhin unter Krieg und Hunger, Verfolgung, Ungerechtigkeit und Armut.

Stehe den Regierenden bei, gute Entscheidungen zu fällen, auch wenn wir so wenig wissen, was kommt.

Gib den Menschen Geduld und Besonnenheit, stärke Rücksicht und Vorsicht: die unsichtbare Gefahr soll uns nicht leichtsinnig machen.

Stehe deiner Kirche bei in diesen schwierigen Zeiten, lass den Glauben nicht erlahmen, wecke in uns Zuversicht.

Schenke den Erkrankten Mut und Hoffnung, stehe den Trauernden bei, nimm die Verstorbenen in Frieden bei dir auf. Halte uns zusammen als dein Volk aus den Völkern und führe uns in der gemeinsamen Not zur Einheit. Amen.

Pfarrer Roland Kupski

Möge Gott seine Hände segnend und schützend über Ihnen halten, das wünschen

Pfarrer Hasso von Winning
Pfarrerin Christine Rießbeck
Pfarrer Dirk Hartleben


Das „Hoffnungswort“ für diesen Sonntag stammt von Pfarrer Matthias Effhauser. Es ist zu finden in dem Buch „Geistliche Verschnaufpausen. Kurze Andachten für jeden Tag“.

GUTE NACHRICHT

Gedanke

Ulrich Wickert steht vor meinem Getränkemarkt. Leger gekleidet in Jeans und blauem Pullover. „Die Welt braucht gute Nachrichten“, erzählt er mir und lächelt dabei von der riesigen Plakatwand herunter.

Der hat gut reden, denke ich mir! Wie oft hat mir der ehemalige „Mister Tagesthemen“ schlechte Nachrichten in mein Wohnzimmer gemeldet: Kriege, Entführungen und Naturkatastrophen. Er kennt das Nachrichtengeschäft: „Bad news are good news.“ Aber vielleicht weiß er ja gerade deshalb, wovon er spricht. Die Welt braucht gute Nachrichten.

Ich hätte da eine! In meinem Bücherregal steht sie: Die gute Nachricht. Das Neue Testament im heutigen Deutsch. Ich habe sie vor vielen Jahren gekauft, weil mich diese gute Nachricht angesprochen hat. Geschrieben mitten aus dem Leben heraus.

Auch dort lese ich von menschlichen Tragödien. Aber auch von Hoffnung und Zuversicht. Einer ist vor 2000 Jahren in die Welt gekommen mit einer guten Nachricht für uns Menschen. Jesus, der Rabbi aus Nazaret. Er hatte für alle, die unten angekommen waren und am Ende ihrer Hoffnung standen, ein gutes Wort übrig. „Ich bin gekommen zu suchen und zu retten, was verloren ist“, sagt er von sich. Und er weiß, von was er spricht. Weil er die Welt kennt und weiß, dass sie seine gute Nachricht braucht.

Gebet

Gott, unser Vater,

dein Sohn hat der Welt gute Nachricht gebracht von der Liebe und Barmherzigkeit, die du für uns Menschen übrig hast. Er selbst war die beste Nachricht, weil in ihm deine Liebe greifbar und sichtbar geworden ist. Wir haben den Auftrag, auch heute Botinnen und Boten deiner guten Nachricht für diese Welt zu sein. Wo wir hingestellt sind, wollen wir sie erzählen und durch unser Leben versuchen, etwas vom dem Wirklichkeit werden zu lassen, was dein Sohn einst gelehrt und gelebt hat: Zu suchen und zu retten, was verloren ist.

So bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und unseren Herrn in Ewigkeit. Amen.

Matthias Effhauser


Das „Hoffnungswort“ für diesen Mittwoch stammt von Pfarrer Kai Tilgner. Er ist Stadtpfarrer der evangelischen Kirche in Überlingen.

Kürzlich stolperte ich beim Durchstöbern der verschiedenen Online-Ausgaben der Zeitungen über das Wortspiel „Der Virus kann zum Wirus werden“ des Coaches Wernfried Hübschmann. In dem dazugehörigen Video stellt er den Zusammenhang her zwischen der bestehenden Kontaktsperre und dem Entdecken des neuen Wirgefühls in der Corona-Krise.

Was bei mir hängengeblieben ist? Zum einen, dass wir uns als soziale Wesen an die verordnete, sinnvolle Kontaktsperre halten, weil wir die Schwächeren schützen wollen, auch wenn wir uns gesund fühlen; zum anderen die durchaus christliche Erkenntnis, dass wir jetzt neu entdecken, wie wichtig uns die persönliche Begegnung mit anderen Menschen ist, und wir deshalb versuchen, Nähe herzustellen, indem wir wieder das Briefeschreiben entdecken, das Skypen oder Telefonieren; sogar das gemeinsame Gebet wird uns wichtig, wenn wir um 19 Uhr die Kirchenglocken hören.

Mir fielen dazu zwei Menschen ein, die in Haft immer wieder den Kontakt gesucht haben nach außen zu Familienangehörigen, Freunden und Gemeinden. Dem einen, Paulus, haben wir viele Briefe in der Bibel und kraftvolle Theologie zu verdanken; der andere ist Dietrich Bonhoeffer, der uns mutmachende Gebete und Texte aus seiner Haft hinterlassen hat, denken Sie nur an das vertonte Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag“.

Beide schreiben ehrlich über ihre Not. Wir müssen also nicht Glück und Freude heucheln, wenn uns zum Klagen und Weinen zumute ist. Bei beiden ist der erste Adressat Gott, weil sie erfahren haben, dass Gott auch in Krisenzeiten tröstet und sie nicht allein lässt in ihren Ängsten und Nöten. In dieser Gewissheit nehmen sie in ihrer angeordneten Kontaktsperre Kontakt auf zu ihren Mitmenschen und machen ihnen damit Mut, nach vorne zu schauen.

„Vom Virus zum Wirus“. Ja, das Virus verlangt uns in diesen Tagen einiges ab. Vielen, trotz schönem Wetter eingesperrt zu sein in den vier Wänden, ohne Freunde, Enkel und Kinder; andere arbeiten bis an den Rand der eigenen Kräfte in den sogenannten systemrelevanten Betrieben; und alle sind wir gehalten in der Hand Gottes. Menschen wie Paulus und Bonhoeffer erinnern mich daran, dass wir einander brauchen, um uns gegenseitig Mut zuzusprechen, dass wir manchmal kreativ sein müssen, um nicht zu vereinsamen, und daran, dass Gott da ist.

So wünsche ich Ihnen und mir, dass wir bald unsere entfernten Verwandten und Freunde wieder in die Arme schließen können, gemeinsam in den Kirchen Gottesdienste feiern und dann alle Gott loben im privaten wie im kirchlichen Leben.

Das „Hoffnungswort“ für diesen Sonntag stammt von Christian Waegele. Es ist zu finden in dem Buch „22:57. Auf ein Wort“, herausgegeben von Martin Bogdahn, Willibald Leierseder und Susanne Schullerus-Keßler.

Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn’s ihm gut geht, und eine, wenn’s ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion.

Diesen Satz habe ich bei Tucholsky gefunden, in seinem „Sudelbuch“, in dem er die Schnipsel seiner Geistesblitze und Aphorismen sammelte.

Religion gilt dann bei Menschen etwas, wenn es ihnen schlecht geht. Religion stellt sozusagen die Zweithose für schlechte Tage dar.

Meine Großmutter hat für dieselbe Beobachtung einen anderen Satz gehabt: Not lehrt beten.

In meinen Ohren klingt das sympathischer, weil da der Religion, dem Beten nicht sofort und unterschwellig Scheinheiligkeit unterstellt wird. Es wird ernstgenommen, dass es Hilfen in dunklen Tagen gibt und dass es keine Heuchelei sein muss, sich auf sie zu besinnen.

Großmutter wusste, dass wir Menschen es immer wieder lernen müssen, das Beten, das Hoffen.

Sie wusste, dass Religion häufig etwas ist, das sich trotz aller widrigen Umstände bewährt.

Dass da kleine Überzeugungsschnipsel, die in guten Tagen tief im Herzen verborgen lagen, dass diese Überzeugungsschnipsel sich zu einem Glauben zusammenfügen.

Zu einem lückenhaften Glauben, zu einem Glauben, der vielleicht sogar wieder vergessen wird. Aber der eben ein Glaube ist, der trägt, wo anderes zusammenbricht.

Christian Waegele


Das „Hoffnungswort“ für diesen Mittwoch ist Psalm 121, ein Abschnitt aus der Bibel. Zuerst in der Übersetzung von Martin Luther und dann von Jörg Zink, der die uralten Worte von Psalm 121 in die Sprache unserer Zeit übersetzt hat:

Psalm 121 – in der Übersetzung von Martin Luther

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels
schläft und schlummert nicht.

Der Herr behütet dich;
Der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts.

Der Herr behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

Psalm 121 – in der Sprache unserer Zeit von Jörg Zink

Herr, ich habe niemanden, der mir hilft.
Ich habe nur dich.
Ich kann den Kopf hängen lassen und verzagen
oder ihn heben und zu dir aufsehen,
über die Berge hinauf zu dir.
Du hast den Himmel gemacht und die Erde,
und auch mein kleines Schicksal kommt aus deiner Hand.

Der Herr gibt meinem Schritt Klarheit,
Sicherheit und Kraft.
Er ist selbst der Weg, auf dem ich gehen kann, 
so dass ich mein Ziel nicht verfehle.
Er behütet mich,
auch wenn ich meine, er sei weit weg von mir,
er sehe mich nicht und höre mein Gebet nicht.
Er ist ganz dicht neben mir, über mir, um mich her.
Er behütet mich.
Er schläft nicht. Er ist kein Mensch,
der zu müde wäre, zu behüten.

Der Herr behütet mich.
Wie ein Schatten, der über einen Menschen fällt,
der in einer heißen Wüste wandert,
so ist der Herr über mir.
Keine Gefahr kann mich überwältigen
bei Tage, im Sonnenlicht – da ich mein Werk tue
und da die Menschen um mich sind.
Auch bei Nacht, wenn ich ruhe oder wenn ich einsam bin,
wenn Zweifel in meinem Herzen ist
oder Schuld mich quält,
ich bin behütet.

Der Herr ist um mich
Und behütet meine Seele.
Der Herr behütet mich
In allen Anfängen, die ich versuche
und in allem, was ich abschließe und vollende.
Er behütet meinen Auszug und meine Heimkehr
Von jetzt an und in Ewigkeit.



Das „Hoffnungswort“ für diesen Sonntag stammt von Pater Anselm Grün aus der Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach:

Der Engel des Glaubens möchte Dich in die Welt Gottes hinein begleiten. Er möchte den Schleier wegziehen, der über allem liegt, damit Du die tiefste Wahrheit Deines Lebens erkennst, die Wahrheit, dass Gott da ist, dass Gott Dich liebt, dass Gottes Liebe Dich durchdringt und Dich einhüllt.

Ich wünsche Dir, dass der Engel des Glaubens bei Dir ist, wenn Dich Zweifel befallen oder wenn Du Dich hilflos fühlst gegenüber den rationalen Erklärungen Deiner Bekannten, die Dir beweisen möchten, dass Gott doch nur eine Einbildung ist, die man heute in unserem aufgeklärten Jahrhundert beiseite legen müsste. Habe keine Angst vor dem Zweifel. Der Zweifel gehört zu uns und unserem Glauben. Glaube ist immer nur überwundener Zweifel. Aber ohne diese Überwindung des Zweifels gibt es kein echtes Menschsein. Ohne sie, so meint Ladislaus Boros, „schließt sich der Mensch in sich selbst hinein, wird klein, betrachtet seine Gegenwart als Abschluss, geht im Gehabten, im ‚Immer-schon-Bekannten‘ und Gewöhnlichen auf“.

Trau dem Engel des Glaubens. Er zeigt Dir dass das Unsichtbare genauso wirklich ist wie das Sichtbare, dass Gott Dein Leben trägt und dass Du in Gottes guter Hand bist und in Gott feststehen kannst inmitten aller Stürme des Lebens.

 

Das „Hoffnungswort“ für diesen Mittwoch ist entnommen aus der Homepage der EKHN – Evangelische Kirche Hessen Nassau:

Fürchtet euch nicht 

Engel. 
Sie lagern um uns herum. 
Sie breiten ihre Flügel aus oder ihre Arme – je nach dem. 
Sie schützen nicht vor dem Virus. 
Aber vor der Angst. 

Das können sie: 
Uns die Angst nehmen. 
Und die Panik vor dem, was uns beunruhigt. 
Engel wiegen uns nicht in falscher Sicherheit. 
Aber sie können die verängstigte Seele wiegen. 

In ihren Armen oder Flügeln – je nach dem. 
Im Moment reicht ein Engel nicht. 
Da brauchen wir schon ein paar mehr. 
Die Fülle der himmlischen Heerscharen, 
wie damals – als Jesus geboren wurde – da waren sie alle da. 

Die Engel. 

Und sie haben gesagt: Fürchtet euch nicht. 
Denn sie fürchteten sich – also die Hirten. 
Und wir fürchten uns auch. 
Vor dem, was plötzlich kommen könnte. 
Oder was schon da ist. 
Wir fürchten uns vor der Ungewissheit und vor dem, 
was uns den Boden unter den Füßen wegzureißen droht. 

Damals haben die Engel eine große Freude verkündet, 
die allem Volk widerfahren soll. 
Nämlich, dass der Heiland geboren sei. 
Das klingt wie von einem anderen Stern. 
„Große Freude.“ 
Aber wieso sollte das nicht auch heute gelten? 

Ist Gott etwa nicht da, nur weil das Virus da ist? 
Fürchtet euch nicht. 
Das will ich auch jetzt hören. 
Daran halte ich mich fest. 

Mitten in der Angst – Freude. 
Mitten in der Angst – ein Lächeln. 
Mitten in der Angst – helfende Menschen. 
Mitten in der Angst – Solidarität unter uns. 

Das gibt es ja alles. 
Trotz Corona. Mancherorts auch gerade wegen Corona. 
Mitten in der Angst, mitten in der Sorge – die Engel. 
Sie schützen nicht vor dem Virus – so ist das halt. 
Aber es sind die himmlischen Wesen, die uns Bodenhaftung geben können. 

Ich will meine Augen öffnen und die Engel sehen. 
Oder hören. Oder spüren. 
In mir, hinter mir, neben mir. 
Auch in den Menschen, denen ich begegne. 

Jetzt halt etwas mehr auf Abstand oder per Telefon. 
So geht es auch. 
Gottes Engel lagern sich um uns her und helfen uns heraus. 
Das glaube ich gewiss. 

Gebet 

Jetzt, mein Gott, täten Engel gut. 
An unserer Seite und um uns herum. 
Denn wir brauchen Mut. 
Und Phantasie. 
Und Zuversicht. 

Darum: Sende deine Engel. 
Zu den Kranken vor allem. 

- Stille – 

Und zu den Besorgten.

- Stille –

Sende deine Engel zu denen, die anderen zu Engeln werden: 
Ärztinnen und Pfleger, 
Rettungskräfte und Arzthelferinnen, 
und an alle, die nicht müde werden, anderen beizustehen. 

- Stille – 

Sende deine Engel auch zu denen, 
an die kaum jemand denkt: 
Die Menschen auf der Straße, 
die Armen, 
die Geflüchteten in den Lagern in Griechenland 
und im türkisch-griechischen Grenzgebiet. 

- Stille –

Jetzt, mein Gott, tun uns die Engel gut. 
Du hast sie schon geschickt. 
Sie sind ja da, um uns herum. 
Hilf uns zu sehen, was trägt. 
Was uns am Boden hält und mit dem Himmel verbindet, 
mit dir, mein Gott. 
Denn das ist es, was hilft und tröstet. 
Jetzt und in Ewigkeit. Amen.


 

Das „Hoffnungswort“ für den Ostersonntag stammt von Pfarrer Heinz-Günter Beutler-Lotz aus dem Buch ‚Ostern: Verkündigung, Liturgie, Feier‘. Es ist eine kurze Predigt aus einem Ostergottesdienst vor einigen Jahren:

Ostern ist unsere Hoffnung

Liebe Ostergemeinde!

Eine Klavierlehrerin hat mir einmal von einer schlaflosen Nacht erzählt. Ihre Tochter sollte eigentlich ins Bett gehen. Sie waren eingeladen gewesen und es war spät geworden. Ihre Tochter aber spielte noch etwas Klavier. Eine schöne Sonate.

Aber ihre Mutter ärgerte sich und orderte sie laut ins Bett. Die Tochter brach das Musikstück ab, kurz vor Schluss und verzog sich.

Und auch die Mutter ging schlafen, aber fand keine Ruhe. Irgendetwas stimmte nicht, in ihrem Herzen, in ihrem Kopf. Nach einer Weile stand sie auf und ging hinunter ans Klavier und spielte das Stück zu Ende. Dann ging es ihr gut, fand auch sie Ruhe.

Wir können das selbst mit jedem Lied ausprobieren. Wenn ein Lied nicht bis zum Ende gespielt wird, dann fehlt uns etwas. Auf der anderen Seite ist es so: Hören wir nur den Schluss eines Liedes, dann erinnern wir uns plötzlich an das ganze Lied.

Genauso ist es mit den Ostergeschichten. Gott sorgt für einen großartigen Schluss. Für einen Schluss, der gar kein Ende, sondern ein neuer Anfang ist. Er lässt Jesus auferstehen, uns allen voran, als ersten, und als unsere Hoffnung. Damit wir wissen, die Melodien des Lebens, und mögen sie noch so traurig erscheinen, und die Melodien der ganzen Weltgeschichte, mögen sie noch so düster klingen, sie werden volltönig und rund werden. Gott meint es gut mit uns.

Die Geschichte vom leeren Grab ist witzlos, wenig interessant, wenn wir nicht die Geschichten, die davor von Jesus erzählt werden, betrachten.

Überall, wo er auftauchte, brachte er das Leben ans Licht. Er holte Menschen aus ihrer Einsamkeit und stellte sie in die Gemeinschaft. Er vergab ihnen ihre Schuld, damit sie neu leben konnten. Er heilte ihre Wunden, damit sie ganz würden. Er berührte Menschen, damit sie lieben lernten.

Das war alles gut und schön, solange er lebte. Mit seinem Tod hörte das auf. Dachten zuerst alle, seine Feinde und seine Freunde. Aber sie hatten sich getäuscht. Jesus war tot und er ist auferstanden. Das ist bisher einmalig. Es ist kaum zu glauben. Und wir tun uns wahrscheinlich alle damit schwer wenn wir ehrlich sind. Denn so etwas haben wir noch nie gesehen.

Wir sehen oft nur das Leid und das Unglück und stehen an den Gräbern unserer Lieben, und fürchten uns vor allem, und weinen ohne Ende, und nichts wird gut.

Wir hören oft in unserem Leben nur die Misstöne, wo alles schiefgeht, wo nichts klappt, wo alles verloren scheint.

So könnten wir vergehen, wären nicht da die Geschichten um Jesus. Gott erweckt ihn zum Leben, vollendet seine Lebensgeschichte in einem bisher einmaligen Finale, in einem Schlussakkord, der uns ergreifen und tragen will.

Das leere Grab ist das große Finale, das uns an alle guten Dinge erinnert, die sich zuvor ereigneten, und an alles Gute, das noch kommen wird. Es ist die freudige Erinnerung, Jesus zu vertrauen.

Ostern ist unsere Hoffnung. Im Licht der Ostersonne sieht die Welt anders aus, finden sich Wege aus der Dunkelheit, verwandelt sich alles: Trauer in Freude, Ängste in Mut und Ohnmacht in Kraft.

Wir dürfen auferstehen, schon heute. Wir dürfen uns aufrichten an Gottes Verheißungen. Wir dürfen leben trotz allem Sterben.

Gott will uns befreien und zu Geschwistern machen, die seinen Spuren folgen: aufstehen und lieben, aufstehen und handeln und helfen, aufstehen und füreinander da sein und sorgen, aufstehen und für Recht sorgen, aufstehen gegen den Tod, der uns in so vielen Weisen gefangen hält und das Leben zerstört und behindert.

Das ist unser Weg als Pilger auf den Spuren des Mannes aus Nazareth.

Und der Friede Gottes erfülle unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN.


 

Das „Hoffnungswort“ für diesen Mittwoch stammt von Raffael de Blasi. Er möchte einladen, trotz der momentanen Krise nicht zu vergessen, wie viel Schönes das Leben zu bieten hat. Gleichzeitig macht er Mut, Angst und Unsicherheit in Gottes Hände zu legen:

Ich habe keine Angst

Ich habe viel Freude am Leben. Gott steht auf meiner Seite. Mit den Menschen, die ich mag und mit Gott kann mir nichts passieren.

Worauf es doch ankommt, ist doch, dass Gott mich mag und dass ich andere lieben kann. Und das kann mir keiner nehmen. Keine Dunkelheit, keine Schuld, keine Verachtung durch die Menschen, keine Krankheit. Nichts kann mich von Gott und von der Liebe, von der Freude und vom Glauben trennen.

Natürlich macht mich das nicht unverletzlich, und manchmal fürchte ich mich vor dem, was als nächstes kommt.

Aber wenn ich mich fürchte – bete ich. So kann die Angst, die mich ab und zu überkommt, immer wieder Gelegenheit zum Gebet sein. Nichts, auch nicht die Angst, etwas zu verpassen, kann mich von Gott trennen. Ganz im Gegenteil, je unsicherer ich bin, umso fester halte ich mich an Gott.

Bei ihm fühle ich mich sicher. Er zeigt mir, wie schön es ist, zu lachen, sich zu freuen, Spaß zu haben und für andere da zu sein. Das Leben ist schön, weil Gott es mir geschenkt hat.

Meine Fröhlichkeit soll ein Zeichen meines Dankes sein.

Raffael de Blasi


 

Das „Hoffnungswort“ für diesen Sonntag stammt aus unserem ‚Evangelischen Gesangbuch‘. Unter der Überschrift ‚Angst und Vertrauen‘ finden sich Gedanken von Anne Frank. In der Zeit des Nationalsozialismus lebte Anne Frank mit sechs Erwachsenen und drei weiteren Jugendlichen versteckt auf engstem Raum. Um sich nicht in Gefahr zu begeben, durfte sie das Haus in der Innenstadt von Amsterdam drei Jahre lang nicht verlassen. Umso bemerkenswerter sind ihre Gedanken, die uns Mut machen sollen:

Seit gestern ist es draußen herrlich, und ich bin richtig aufgekratzt. Ich gehe fast jeden Morgen auf den Speicher, um frische Luft zu atmen. Von meinem Lieblingsplatz auf dem Fußboden sehe ich ein Stück vom blauen Himmel, sehe den kahlen Kastanienbaum, an dessen Zweigen kleine Tropfen schillern, und die Möwen, die in ihrem eleganten Gleitflug wie aus Silber scheinen.

„Solange es das noch gibt“, dachte ich, „diese strahlende Sonne, diesen wolkenlosen Himmel, und ich das noch erleben kann, darf ich nicht traurig sein.“

Für jeden, der einsam oder unglücklich ist oder in Sorge, ist das beste Mittel hinauszugehen, irgendwohin, wo er allein ist, allein mit dem Himmel, mit der Natur und Gott. Dann, nur dann fühlt man, dass alles ist, wie es sein soll, und dass Gott die Menschen in seiner einfachen, schönen Natur glücklich sehen will.

Solange es so ist – und es wird wohl immer so sein – weiß ich, dass es unter allen Umständen einen Trost gibt für jeden Kummer.                                    Anne Frank


Das „Hoffnungswort“ für diesen Mittwoch ist ein Segen aus Irland, der schon seit Jahrhunderten von Jahren Menschen tröstet und Mut macht:

Mögest du mich umgeben, o Gott,
wie ein Kreis, der keinen Anfang 
und kein Ende hat.

Mögest du mich umspannen, o Gott,
wie ein Gürtel, der mit einem unlösbaren Knoten

versehen ist.

Mögest du mich umklammern, o Gott,
mit Händen, die miteinander verwachsen sind.

Mögest du mich umsorgen, o Gott,
mit deiner Liebe, die keine Grenzen kennt.

Mögest du mich umtosen, o Gott,
mit dem Sturm, der die Glut der Herzen entfacht.

Mögest du mich umfassen, o Gott,
mit dem Arm, der aus der Tiefe zieht.

Mögest du mich umschmeicheln, o Gott, 
mit guten und tröstenden Worten, 
die nur in deinem Herzen
zu Hause sind.


 

Das „Hoffnungswort“ für diesen Sonntag stammt aus unserem ‚Evangelischen Gesangbuch‘. Dort ist unter der Überschrift ‚Angst und Vertrauen‘ folgender hoffnungsvoller Text zu finden:

Eines Nachts hatte ich diesen Traum: ich ging mit Gott, meinem Herrn, am Strand entlang. Vor meinen Augen zogen Bilder aus meinem Leben vorüber, und auf jedem Bild entdeckte ich Fußspuren im Sand.

Manchmal sah ich die Abdrücke von zwei Fußpaaren im Sand, dann wieder nur von einem Paar.

Das verwirrte mich, denn ich stellte fest, dass immer dann, wenn ich unter Angst, Sorge oder dem Gefühl des Versagens litt, nur die Abdrücke von einem Fußpaar zu sehen waren.

Deshalb wandte ich mich an den Herrn: „Du hast mir versprochen, Herr, Du würdest immer mit mir gehen, wenn ich Dir nur folgen würde. Ich habe aber  festgestellt, dass gerade in den Zeiten meiner schwierigsten Lebenslagen nur ein Fußpaar im Sand zu sehen war. Wenn ich Dich nun am dringendsten brauchte, warum warst Du dann nicht für mich da?“

Da antwortete der Herr: „Immer dann, wenn Du nur ein Fußpaar im Sand gesehen hast, mein Kind, habe ich Dich getragen.“   

Quelle unbekannt


Das „Hoffnungswort“ für diesen Mittwoch stammt von Pfarrer Matthias Effhauser aus seinem Buch „Geistliche Verschnaufpausen“:

Gedanke

Eine Legende erzählt: Fischer gerieten auf dem Meer in einen heftigen Sturm. Das Segel zerfetzte, der Mast brach, Wellen schlugen in das Boot und es drohte unterzugehen. Als alles ausweglos schien, schrie einer: „Jetzt sind wir nur noch in Gottes Hand!“ Und vom anderen Ende des Bootes kam die Antwort: „Ja, ist das denn so schlimm?!“

Kennen Sie das Gefühl, in einer scheinbar ausweglosen Situation zu sein? Allein gelassen und ohne Aussicht auf Hilfe? So etwas macht mir Angst: Wenn mir alle Möglichkeiten genommen sind, wenn ich ausgeliefert und nur noch auf andere angewiesen bin. Und nur noch in Gottes Hand zu sein? Ihm grenzenlos vertrauen zu müssen? Dazu fehlt mir erst recht oft genug der Mut. Ich merke sehr schnell, wie ich an meine Grenzen komme.

Die Bibel erzählt von den Jüngern im Seesturm, die auch voller Angst und Panik waren, obwohl Jesus mit ihnen im Boot war. Was hatten sie schon alles mit ihm erlebt. Trotzdem keine Spur von Gelassenheit und Gottvertrauen. Genauso kleingläubig fühle ich mich auch oft und beschämt. Was habe ich nicht alles mit diesem Gott schon erlebt! Trotzdem befällt mich Angst. Doch unversehens findet sich ein Ausweg und mancher Sturm legt sich. Danach weiß ich: In Gottes Hand zu sein, ist manchmal gar nicht schlimm.

Schriftstelle – Die Stillung des Sturms

Und am Abend desselben Tages sprach Jesus zu ihnen: Lasst uns hinüberfahren. Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war. Und es waren noch andere Boote bei ihm.

Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass das Boot schon ganz voll von Wasser war.

Und Jesus war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?

Und Jesus stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille.

Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?

Das Evangelium nach Markus, Kapitel 4, Verse 35-41

Gebet

Guter Gott,

unser Leben gerät oft in Situationen, in denen wir weder ein noch aus wissen. Besonders dann liegt unser Leben in deiner Hand. Lass uns das nicht als Bedrohung empfinden, die uns verzweifeln lässt, sondern gib uns die Gewissheit, dass du alles zum Guten führen wirst. Und wenn uns unser Kleinglaube zu schaffen macht, dann wollen wir uns daran erinnern, dass es manchmal gar nicht so schlimm ist, nur in deiner Hand zu sein.

So bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und unseren Herrn in Ewigkeit. AMEN.